Die “Phasen”
Niemandem, der Schmerzen hat, hilft es, wenn man ihm sagt, dass nahezu jeder Schmerz irgendwann nachlässt. Erfahrung hilft – nach der Nacht kommt ein Morgen, nach Regen irgendwann wieder Sonne, im Moment der Verletzung beginnt schon der Heilungsprozess. Aber da man nicht oft im Leben wirklich liebt, hat man auch nicht oft Gelegenheit, Erfahrung mit dem gewaltsamen Ende eine Liebe zu machen. Und über nichts anderes reden wir hier. Trennungen, die längst überfällig sind, wo jedes Gefühl schon lange tot war, sind nur ein organisatorisches oder finanzielles Problem, kein emotionales, und kein Fall für die “Love Lessons”.
Oft, bei vielen “Verlassenen” läuft die Trennung durch 4 Phasen:
Die erste ist die Phase des “Entsetzens”, der Fassungslosigkeit, auch Wut oder Verzweiflung, wenn der Partner einem sagt, dass er von einem weg will, keine Zukunft mehr sieht. Oder wenn man herausbekommen hat, dass der Partner bereits eine(n) andere(n) hat.
Die zweite Phase ist die des Nicht-Wahrhabens, des Verdrängens, “das kann doch alles gar nicht wahr sein”, der andere muss einen doch noch lieben, vielleicht war die Trennung nur eine Trotzreaktion, häufig fängt man nun an zu “kämpfen”, alles besser zu machen, was den anderen gestört haben könnte, in der Hoffnung, man wacht auf und alles war ein schlechter Traum. Noch kann man sich ohne den anderen kaum denken.
Die dritte Phase ist die der “gesunden Wut”, man merkt, dass man umsonst gehofft hat, vielleicht auch, wie lange vorher der andere sich schon innerlich entfernt hatte. Oder wie lange die “neue Beziehung” vielleicht sogar parallel lief.
Man besinnt sich wieder auf sich selbst, die Rest-Liebe zeigt sich eher als Hass, immerhin noch ein Zeichen für aufgewühlte Gefühle, aber man will nun den anderen gar nicht mehr zurück haben. Sich rächen – gern. Wenn doch der andere bloß gekrochen käme, damit man nun ihn (oder sie) in die Wüste schicken könnte.
Die meisten Therapeuten versuchen ihre Patienten sehr schnell in diese dritte Phase zu führen, indem sie die “gesunde Wut” schüren, das Versagen des Partners aufzeigen, um das Selbstwertgefühl des Patienten zu stabilisieren.
Die vierte und letzte Phase ist die “Scheißegal-Phase”. Was der andere nun sagt oder macht, ist einem mehr oder weniger egal. Wenn’s schmutzig war, ist man froh, ihn (oder sie) nicht mehr sehen zu müssen. Wenn’s einigermaßen respektvoll war, kann man nun – erst nun – eine Freundschaft, einen Umgang auf einem anderen Level aufbauen. Nun gönnt man dem anderen auch neues Glück – und ist damit frei für das eigene neue Glück.
Die Verlassenden durchlaufen solche Phasen nicht. Sie haben das meist vorher schon mit sich selbst abgemacht. Sie würden am liebsten auf all die Verzweiflung, das “Kämpfen”, das Nicht-Wahrhaben, die Wut, den Hass verzichten. Wenn sie können, tun sie das auch meist. Wenn eine Trennung nicht so leicht ist und nicht so einfach geht, weil man zusammen wohnt, vielleicht verheiratet ist und Kinder hat, dann stellt man sich dem aus Verantwortungs- oder Schuldgefühl, empfindet solche Verzweiflungsgespäche oder Auseinandersetzung aber beinahe schon als emotionale Vergewaltigung, denn man weiß, dass sie am Ergebnis nichts ändern, alles nur erschweren. Wenn die Verlassenden taktloserweise sehr früh diesen Satz sagen: “Lass uns Freunde bleiben”, entspringt das dem Wunsch, keine Auseinandersetzungen mehr haben zu wollen, vor allem aber dem nach Absolution, sich nicht mehr an der Verzweiflung eines anderen schuldig fühlen zu müssen.

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