Die Angst vor dem Ende
Viele ziehen bekanntes Unglück einem unbekannten, zukünftigen Glück vor. Es gibt meist nur einen Grund, sich zu trennen, aber tausend Gründe, das nicht zu tun: Das gesellschaftliche Ansehen, das Image im Beruf (erfolgreiche Menschen führen erfolgreiche Beziehungen), das Geld, die Kinder, die Angst vorm Alleinsein…
Kommen ein 97-jähriger und eine 95-jährige zum Anwalt und wollen sich scheiden lassen. Sagt der entsetzt: Aber warum?? Jetzt haben Sie es doch schon so lange miteinander ausgehalten! Sagen die beiden: Wir wollten erst warten, bis die Kinder tot sind.
Makaber, aber mit einem Fünkchen Wahrheit.
Es gab eine große Umfrage in Australien mit Menschen, die kurz vor dem Tod standen und keinen Grund mehr für Rücksichten und Unwahrheiten hatten – was für sie das Wichtige im Leben war, was sie bereuen, was sie anders machen würden… eine der häufigsten Antworten war, eine Liebe nicht gelebt zu haben, aus Bequemlichkeit zu lange an einer Beziehung festgehalten zu haben, privates Glück zu lange immer wieder auf “morgen” geschoben zu haben…
Man kann ohne Liebe miteinander alt werden – dann aber wenigstens in Freundschaft, mit Respekt, ohne Streit und ohne dafür ein anderes, neues Glück geopfert zu haben. In allen anderen Fällen – mach kaputt, was dich kaputt macht. Mach ein Ende, sobald Du spürst, dass etwas zu Ende ist. Auch wenn nicht sofort wieder Land in Sicht ist – Du kannst schwimmen. Und – Du gehörst nur Dir selbst. Niemandem, der Dich besitzen will, wenn Du es nicht willst. Wir sind nicht mehr im Mittelalter. Du hast das Glück hinter der nächsten Ecke verdient.

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